AUTO & VERKEHR
AM SONNTAG
EME
28. MAI 2023
Mehr SUVs und Stromer
Honda stellt Neuheiten für das Modellprogramm vor
Auch bei Dunkelheit oder schlechter Sicht können Assistenzsysteme helfen.
Foto: Frank Rumpenhorst/dpa-tmn
Besserwisser für mehr Sicherheit
Auto-Assistenzsysteme: Support für Schussel aber noch nicht in allen Situationen
Göteborg/Köln (dpa/tmn)
Kaum fährt man drei, vier
km/h über dem Tempolimit,
fiept und blinkt es im Cockpit
des neuen Prius. In dem Hybridauto setzt Toyota bereits
jetzt die neuesten Sicherheitsregeln der EU um und hat deshalb einen Geschwindigkeitswarner eingebaut, der eigentlich erst 2024 Pflicht für alle
Neuwagen wird.
Selbst wenn man den Warner ausschaltet, ist er nach dem
nächsten Anlassen wieder aktiv. Auch das ist keine Sonderlocke von Toyota. Die Japaner
stehen mit dem neuen Warnsystem keineswegs allein da:
Kaum ein Auto, das in diesen
Wochen vorgestellt wird,
kommt ohne diesen erhobenen Zeigefinger in den Handel, egal ob Neuentwicklung
oder Modellpflege.
Mit solchen Sicherheitssystemen verfolgt die EU gute Absichten, stellt die Geduld vieler
Autofahrerinnen und Autofahrer aber mitunter auf eine harte
Probe. Feststeht: Der Einfluss
der Elektronik nimmt zu. Lange bevor der Autopilot reif ist,
vollends das Kommando zu
übernehmen, haben sich Assistenzsysteme zu teils vorlauten Besserwissern entwickelt,
die dem Menschen im Dienst
der Sicherheit sehr genau auf
die Finger schauen.
Ging es dabei bislang meist
ums Fahren selbst, also um
Tempo, Abstand oder Fahrspur,
rückt nun zusehends die Fahrerin oder der Fahrer ins Blickfeld. Was einst ein simpler Müdigkeitswarner war, überprüft
neuerdings mit gestrengen Kameraaugen die Aufmerksamkeit und setzt einen Ordnungsruf ab, sobald der Blick zu lange auf der Navi-Karte oder verbotenerweise - gar auf dem
Smartphone-Display geruht
hat.
Ein besonders ausgefeiltes
Aufmerksamkeitssystem verbautVolvo in seinem kommenden E-SUV EX90. Wir beobachten, wohin der Fahrer
schaut und wie oft und wie lange seine Augen geschlossen
sind, erläutert Emma Tivesten
vom Volvo-Safety-Center in
Göteborg. Dadurch können
wir viel über seinen aktuellen
Gemüts- und Gesundheitszustand erfahren und ihm situationsgerecht zusätzliche Hilfe
anbieten.
Das beginnt mit einem einfachen akustischen Warnsig-
Frankfurt/Main (dpa/tmn)
Honda stellt sein Modellprogramm im boomenden SUVSegment neu auf. Noch in diesem Jahr sollen zwei komplett
neue Baureihen und ein grundlegend überarbeiteter CR-V
auf den Markt kommen, wie
das Unternehmen mitteilt.
Den Anfang wollen die Japaner bis zum Sommer mit dem
neuen ZR-V machen. Technisch eng verwandt mit dem
Civic soll das 4,50-Meter-Auto
in der SUV-Familie die Lücke
zwischen H-RV und C-RV
schließen. Es ist zugeschnitten
auf den Wettbewerb mit Autos
wie dem VW T-Roc oder dem
Ford Puma.
Hondas zweites E-Auto
heißt e:Ny1 Dabei setzt
Honda wie beim Civic auf
einen 2,0-Liter großen Benziner, dem zwei E-Motoren zur
Seite stehen. Die werden gespeist aus einer Batterie, die
aber nur aus überschüssiger
Motorleistung oder zurückgewonnener Bremsenergie gespeist wird. Dann soll im
Herbst der neue e:Ny1 fol-
Reichweite knapp über 400 Kilometer: Der e:Ny1 ist Hondas
zweites reines E-Modell der Japaner in Europa. Foto: Honda/dpa-tmn
gen, das zweite reine E-Modell der Japaner in Europa. Er
ist deutlich kompakter als der
ZR-V, nutzt viele Komponenten des Honda E und soll
knapp über 400 Kilometer
Reichweite bieten. Möglich
macht das ein Akku mit knapp
70 kWh, der binnen 45 Minuten von 10 auf 80 Prozent lädt.
Den Antrieb übernimmt ein
Frontmotor mit 150 kW/204
PS.
Der CR-V erhält ein neues
Design Gründlich modernisiert
wird der CR-V. Der große SUV
spielt in einer Liga mit VW Tiguan oder Ford Kuga und bekommt neben einem neuen Design und einem aufgewerteten
Interieur auch einen neuen Antrieb, so Honda. Erstmals wird es
den CR-V hierzulande auch als
Plug-in-Hybrid geben, der bestenfalls die ersten 81 Kilometern
rein elektrisch bestreiten kann.
Nebel: Runter vom Gas und Abstand halten
München (dpa/tmn) Autofahrer kleben bei Nebel oft viel zu nah am Fahrzeug vor ihnen. So bilden sich schnell ganze Kolonnen. Sind die zu
schnell unterwegs, kann schon ein kleiner Bremser
in der Kolonne zur Massenkarambolage führen,
warnt derTüv Süd. Deshalb sollte man bei schlechter Sicht nicht nur besonders umsichtig fahren, das
Abblendlicht sowie Nebelschlussleuchte anschalten und vom Gas gehen, sondern vor allem auch
dem Abstand zum Vordermann vergrößern und
halten. Im Nebel scheint alles weiter entfernt, wes-
halb viele Autofahrer einen zu geringen Abstand
zum vorausfahrenden Fahrzeug halten, erklärt der
Tüv. Deshalb orientiert man sich bei schlechter
Sicht besser am rechten Fahrbahnstreifen und nicht
am Mittelstreifen oder am Vorausfahrenden. Das
Gefühl für die eigene Geschwindigkeit schwinde
im Nebel ebenfalls, so der Tüv weiter. Wer denkt,
in einem angemessenenTempo unterwegs zu sein,
liegt bei nebelschlechter Sicht deshalb oft falsch
und sollte lieber häufiger einen objektivierenden
Blick auf den Tacho werfen.
Guck' mal, wer da gähnt: Assistenzsysteme erkennen Müdigkeit und mahnen zu einer Pause.
Foto: Christin Klose/dpa-tmn
nal, dessen Lautstärke mit dem
Gefahrenpotenzial der Situation zunimmt. Reagiert der
Fahrer nicht auf die immer
deutlicher werdenden Warnungen, kann das Auto sogar
selbstständig am Straßenrand
anhalten und andereVerkehrsteilnehmer durch Einschalten
des Warnblinklichts warnen,
erläutert Volvo.
Mit der ausgefeilteren Innenraum-Überwachung erhalten auch Schussel zunehmend
Unterstützung: Immer mehr
Hersteller wie Mercedes, Audi
oder Porsche erinnern beim
Aussteigen etwa daran, bloß
nicht das gekoppelte Mobiltelefon im Auto liegen zu lassen.
Und Marken wie Kia oder
Hyundai mahnen, noch einmal nach dem Nachwuchs
und dem Haustier auf der
Rückbank zu schauen. Volvo
setzt beim EX90 sogar auf ein
Innenraum-Radar, mit dem die
gesamte Kabine überwacht
wird: Egal ob Kind oder Katze:
Registriert die Elektronik noch
ein Lebewesen im Wagen, lassen sich zum Beispiel die Türen nicht ohne weiteres verriegeln, sagt Lotta Jakobsson, Sicherheitsentwicklerin bei Volvo.
Was nicht ohnehin schon
vom Gesetzgeber als sicherheitsrelevante Serienausstattung vorgeschrieben ist, forciert
etwa die Prüforganisation Euro
NCAP mit ihrem Punkte-Schema. Die Abkürzung steht für
European New Car Assessment
Programme, was so viel bedeu-
tet wie Europäisches Neuwagenbewertungsprogramm. Mitglieder der Euro NCAP sind etwa Verkehrsministerien, Automobilclubs oder auch Versicherungsverbände.
Weil die fünf Sterne im EuroNCAP-Test nach wie vor als
Goldstandard für Sicherheit in
der Autowelt gelten, erfüllen
die Hersteller - wenn immer
möglich - freiwillig die EuroNCAP-Vorgaben, auch wenn
sie über die gesetzlichen Anforderungen hinausgehen. Das
bestätigen die Entwicklungsingenieure der Autohersteller
unisono.
Und die Prüforganisation ist
mit ihrem Programm auch
nach 25 Jahren noch nicht fertig. Trotz großer Sicherheitsentwicklungen bei Autos ist
unsere Arbeit noch nicht getan, sagt Niels Ebbe Jacobsen,
der Präsident der Vereinigung,
und ist überzeugt, dass das
Euro-NCAP-Programm
das
Potenzial hat, die Fahrzeugsicherheit in den nächsten zehn
Jahren noch weiter zu verbessern.
Allerdings provozieren Assistenzsysteme mitunter auch
Ärger und Unbill. In Internetforen häufen sich die Berichte
genervter Autofahrerinnen und
Autofahrer. Und auch Experten
haben bereits mögliche Nachteile solcher Systeme identifiziert: Auch wir sehen in unseren Untersuchungen, dass Fahrerassistenzsysteme Systemgrenzen haben, die erwartete
Wirkungen einschränken oder
zu unangemessenen Eingriffen
führen, sagte etwa kürzlich
Allianz-Unfallforscher Marcel
Borrack dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel.
Und nach einer Mitgliederbefragung kommt der Österreichische
Automobilclub
ÖAMTC zu dem Schluss: Moderne Assistenzsysteme können die Sicherheit erhöhen,
bei der Zuverlässigkeit muss
aber noch dringend nachgebessert werden.
Währenddessen nimmt die
Zahl der Assistenten weiter zu,
wie der ÖAMTC mit Blick in
die Zulassungsvorschriften erhoben hat: Die fordern für alle
Neuwagen ab spätestens 2024
unter anderem einen Müdigkeits- und einen Geschwindigkeitswarner als Serienausstattung.
Doch manche Hersteller gehen im Namen der Sicherheit
noch darüber hinaus. Das zeigt
etwa das Beispiel des chinesischen Newcomers Nio.
Autos wie der EL7 oder der
ET5 sind mit einem digitalen
Beifahrer namens Nomi ausgestattet, der sich als Animation
mit Glubschaugen in einer
Halbkugel auf dem Armaturenbrett dreht.
Im normalen Betrieb gibt
sich Nomi kumpelhaft und ist
mit den Insassen per Du. Doch
sobald einem der zahlreichen
Assistenzsysteme ein Fahrfehler auffällt, wechselt derTonfall
und es ist vorbei mit der
Freundschaft. Dann tönt es
plötzlich streng und bestimmt
aus den Lautsprechern: Bitte
bleiben Sie konzentriert.
Porsche fährt zweigleisig beim Cayenne
Salzburg (dpa/tmn) Porsche fährt beim Cayenne zukünftig zweigleisig: Während die
Entwickler bereits letzte Hand an die reinelektrische Neuauflage des großen SUV legen,
gönnen sie der aktuellen Generation noch einmal ein großes Update.Um den Übergang in
die Elektromobilität flexibel zu gestalten, werden wir ab 2025 beide Baureihen parallel anbieten, kündigte Chefentwickler Stefan Fegg
an. Zu Preisen, die um knapp zehn Prozent auf
mindestens 89 097 Euro steigen, gibt es Steilheck- und Coupé-Version des Cayenne mit
einer retuschierten Optik und einem neuen,
vom Modell Taycan inspirierten Digital-Cockpit. Motorenpalette wird aufgefrischt Zudem
hat Porsche nach eigenen Angaben auch die
Motorenpalette auf den neuesten Stand gebracht. Der drei Liter großeV6-Benziner leistet
nun 260 kW/354 PS und für den Cayenne S
gibt es einen neuen V8-Motor mit nun 349
kW/475 PS. Vor allem aber werden die mittelfristig drei Plug-in-Hybrid-Antriebsvarianten
weiter ertüchtigt, so Fegg. Die Kapazität der
Batterie steigt demnach auf 25,9 kWh und mit
ihr die elektrische Reichweite um etwa 80
Prozent auf bestenfalls rund 70 Kilometer.
Zugleich lädt der Akku nun bis zu dreimal so
schnell und speist einen von 100 kW/136 PS
auf 130 kW/177 PS erstarkten E-Motor. Kombiniert mit V6- oder V8-Motor, erreicht der
Cayenne so Leistungen von bis zu 515
Foto: Porsche AG/dpa-tmn
kW/700 PS.
Cherokee kommt zurück
Mitbegründer des Luxus-SUV-Segments als Plug-in-Hybrid
Rüsselsheim (dpa/tmn) Der
Jeep Grand Cherokee ist wieder da: Denn jetzt hat der USHersteller auch in Europa die
fünfte Generation des luxuriösen Geländewagens vorgestellt. Zu Preisen ab 79 500
Euro soll er gegen Autos wie
den Mercedes GLE oder den
BMW X5 antreten.
Dafür gibt es den 4,91 Meter
langen Fünfsitzer mit frischem
Design, spürbar mehr Finesse
im Innenraum und mindestens
533 Litern Kofferraum. Während der Hersteller bei Ausstattung, Assistenz und Ambiente
mehr denn je nach der Luxusliga schielt, übt man sich beim
Antrieb in Selbstbeschränkung.
In Deutschland nur als Vierzylinder Statt Sechs- und Achtzylindern wie in den USA bietet Jeep den Wagen bei uns
Animation mit Glubschaugen in einer Halbkugel auf dem Ar- Das Navi lässt es nicht erahnen: Volvos EX90 erfasst, wohin der ausschließlich als Vierzylinder
maturenbrett: So sieht Nios digitaler Beifahrer Nomi aus, der Fahrer schaut und wie oft und wie lange seine Augen geschlos- an, dafür aber mit Plug-in-Baukumpelhaft, aber auch sehr streng sein kann.
Foto: Nio/dpa-tmn sen sind. Außerdem gibt es ein Innenraumradar. Foto:Volvo/dpa-tmn stein.
Frisches Design für die fünfte Generation: Der neue Jeep
Grand Cherokee kostet ab 79 500 Euro.
Foto: Jeep/dpa-tmn
So kommen zu den 200
kW/272 PS 2,0-Liter-Benziners
noch einmal rund 100 kW/136
PS einer E-Maschine und die
Systemleistung steigt auf 279
kW/380 PS. Eine Pufferbatterie
ermöglicht dabei bis zu 48 Kilometer rein elektrischen Betrieb, so Jeep. Deshalb sinkt
der Normverbrauch auf 2,6 Li-
ter und der CO2-Ausstoß auf
60 g/km.
Die Rolle des Häuptlings in
der Jeep-Palette spielt der Grand
Cherokee allerdings nicht mehr
lange, wie der Hersteller ankündigt: Innerhalb der nächsten
zwei Jahre soll ein noch größeres Modell kommen und dann
voll elektrisch fahren.
Emsland-Kurier Sonntag, 28. 5. 2023 AM SONNTAG GESCHICHTE erleben in der Rentei Seite 2 26. Jahrgang Nr. 22 HOHER BESUCH STERNMARSCH aus Chicago in Emmeln Seite 3 Seite 5 Ihr Kontakt zum EL-Kurier Zustellung: www.el-kurier.de/service/zustellservice 05 931/4 96 44-25 Anzeigen: 05 931/94 0
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