LOKALES
ZUM SONNTAG
ons/onc/onn
SAMSTAG 16./SONNTAG 17. MAI 2026
Wie KI den Unterricht revolutionieren könnte
Stadt will Lehrer an Osnabrücker Grundschulen im Einsatz von Künstlicher Intelligenz fit machen mit einem privat finanzierten Projekt
Osnabrück (sdo) Die Stadt
Osnabrück will Lehrer an
Grundschulen fit machen im
Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI). Eine Umfrage
unter den Schulen zeigt große
Unsicherheit. Nun soll ein privat finanziertes Projekt den
Wandel anstoßen.
Künstliche Intelligenz (KI)
kann zu einem besseren
Unterricht führen. Das machte Kai Krafft, Bildungskoordinator der Stadt Osnabrück,
jetzt im Schulausschuss deutlich. Lehrkräfte müssen sie
nur entsprechend anwenden.
Darin will die Stadt sie fit machen.
Es gehe nicht darum, dass
die Grundschüler selbst KI
anwenden sollen, erläuterte
Krafft, der selbst als Berufsschullehrer arbeitet. Es gehe
darum, den Lehrkräften zu
vermitteln, wie sie sich mit
KI-Tools und den passenden
Prompts die Arbeit erleichtern können.
In einer Klasse sind 25 bis
30 Schüler, die alle unterschiedliche Bedürfnisse haben, erläuterte Krafft. Ich
kann ein Arbeitsblatt erstellen oder 25 unterschiedliche. Und das ohne zeitlichen Mehraufwand. Auch
kleine Videos ließen sich einfach integrieren.
Das wird ein Gamechanger, betonte Krafft mit Blick
auf die Möglichkeiten von KIAnwendungen. Ein Grundschüler, der gut sei in Mathematik, könne dann beispielsweise eine schwierigere Aufgabe erhalten als einer, dessen Talente woanders liegen.
Bis zum 29. April hatten
bereits fünf Grundschulen
aus der Stadt und 15 Schulen
aus dem Landkreis einen Fragebogen ausgefüllt der erste
Schritt zur Teilnahme an dem
Fortbildungsprojekt digiKI
der Stadt.
Wirklich fit im Umgang mit
KI fühlen die Schulen sich
nicht. Auf einer Skala von
eins bis fünf lag die Selbsteinschätzung der 20 Schulen bei
2,0. Schaut man sich ausschließlich die fünf Grundschulen aus dem Stadtgebiet
an, sah es mit 1,5 sogar noch
schlechter aus. 18 von 20
Schulen nannten Zeitmangel
als Haupthindernis. Und 17
von 20 Schulen gaben an,
dass sie noch gar keine KIFortbildung gehabt hätten.
Alle Grundschulen in Stadt
und Landkreis Osnabrück
können an dem Schulungsprojekt teilnehmen, auch die
Schulen in freier Trägerschaft
Mit dem Einsatz von KI könnten Lehrkräfte viel individueller auf Grundschüler eingehen.
und Förderschulen. Jede
Schule darf zwei Lehrkräfte
sowie ein Mitglied der Schulleitung zur Fortbildung schicken.
Finanziert wird das Ganze
ausschließlich aus Stiftungsmitteln. 240.000 Euro stellen
die
Stiftung
Stahlwerk
GMHütte, die Friedel und
Gisela Bohnenkamp Stiftung,
die Fromm-Stiftung und Geschäftsmann Klaus Hellmann
als Privatförderer zur Verfügung. Den Mehrwert für die
Stadt beschrieb Krafft so:
Maximale Wirkung bei null
Kosten.
Traurig, dass das über die
Stiftungen laufen muss, fand
allerdings
SchulausschussMitglied Wulf-Siegmar Mierke (UWG). Das müsste
eigentlich übers Studium und
übers Land laufen. Mierke
äußerte zudem Skepsis, dass
alle Lehrkräfte ausreichend
Motivation mitbringen würden. Manche sagen: Für die
letzten zehn Jahre brauche
ich das nicht mehr.
Bildungskoordinator Kai
Krafft betonte, dass es einen
Wow-Effekt für die Lehrkräfte bei den Schulungen
brauche. Und dass es bei vielen Fortbildungen oft genau
daran mangele. Damit die
Osnabrücker Schulen dieses
Mal einen wirklichen Mehrwert für sich mitnehmen,
werde daher ein Großteil der
Stiftungsmittel in den Schulungsdienstleister investiert.
Die Stadt habe bereits eine
Best-Practice-Bibliothek
erstellt, auf die die Schulen
zugreifen können. Erst mal
geht es darum, Lehrkräfte zu
befähigen, so Krafft. Im
zweiten Schritt könnten sie
verschiedene Tools testen, etwa zur Sprachförderung oder
in Mathematik. Dass KI fehleranfällig ist, sei dabei ebenso Thema wie die Frage:
Wie prompte ich überhaupt,
damit ich die Ergebnisse kriege, die ich brauche?
Letztlich gehe es in den
Fortbildungen darum: Wie
kriege ich es hin, dass die
Lehrkraft einen schönen
Unterricht mit den Schülern
machen kann? Kai Krafft
hatte ein Beispiel aus seiner
eigenen Schullaufbahn: Im
Englischunterricht kam er in
einer Schulstunde vielleicht
einmal dran und musste Englisch sprechen. Ergebnis:
Mein
Englisch
war
Symbolfoto: imagi/ Sven Simon
schlecht. Das änderte sich
erst, als er für ein halbes Jahr
ins Ausland ging. KI-Anwendungen im Unterricht böten
da ganz andere Möglichkeiten: Mit denen könne nämlich jeder Schüler sprechen
und so die Sprache ganz anders lernen als im alten
Frontalunterricht.
Der Lehrerberuf werde
sich auf Dauer wandeln, betonte Krafft. KI wird die Sachen in vielen Bereichen
besser und individueller erklären können, sagt er.
Die Lehrkraft wird eine andere Position einnehmen.
Der städtische Bildungskoordinator sieht darin die
große Chance, dass man
künftig viel besser auf die Lieber analog statt mit KI? Bei der Unterrichtsvorbereitung
individuellen
Bedürfnisse lassen manche Lehrer die Chancen digitaler Technik noch
Symbolfoto: Imago/Photothek/Ute Grabowsky
der Schüler eingehen könne. liegen.
Ein Tausch ist nicht möglich
Vater versucht alles, um für seinen Sohn trotz Absage einen Platz an der IGS Melle zu bekommen
Melle (lins) Ein Meller sucht
für seinen Sohn in den sozialen Medien einen Platz an der
IGS Melle. Was er als Gegenleistung anbietet und was die
Schule dazu sagt.
Ab diesem Sommer wird
der Sohn eines Mellers die
fünfte Klasse besuchen. Doch
er wird nicht wie seine engsten Freunde auf die Integrierte Gesamtschule (IGS) Melle
gehen können. Es sind
schon einige Tränen bei uns
zu Hause geflossen, berichtet der Vater, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Er versucht jetzt
alles, um seinem Sohn doch
noch den Schulbesuch an
seiner Wunschschule zu ermöglichen. In den sozialen
Medien bietet er den zugesicherten Platz an der Wilhelm-Fredemann-Oberschule in Neuenkirchen zum
Tausch gegen einen Platz an
der IGS an.
Am 23. April kam die Absage der IGS per Mail bei der
Familie aus Melle an. Die
Enttäuschung bei dem Sohn
war groß. Alle seine Freunde
hatten eine Zusage bekommen, nur er nicht, sagt der
Vater. Die Jungen verbindet
Die Integrierte Gesamtschule (IGS) Melle musste in diesem Jahr mehr als 50 Kindern absagen.
Archivfoto: Christina Wiesmann
durch ihre Hobbys Fußball
und Handball eine enge
Freundschaft. Die Familien
kennen sich seit der Krabbelgruppe und fahren gemeinsam in den Urlaub.
Der Vater beklagt undurchsichtiges Losverfahren: Der
Vater ruft bei der IGS an, doch
außer der Aufnahme auf die
Warteliste könne man nichts
für ihn tun. Als er am Folgetag
gegen Mittag seinen Sohn auf
der Warteliste anmeldet, war
es aber schon wieder zu spät.
Da habe ich von Bekannten
gehört, dass sie über die Warteliste bereits eine Zusage bekommen
haben.
Dieses
Windhundprinzip
stört
mich. Außerdem fühlt er sich
nicht ausreichend über das
Vergabeprinzip
aufgeklärt.
Zwar ist ihm bekannt, dass
die Plätze verlost werden.
Aber niemand weiß, warum
jemand angenommen wurde.
Die Direktorstellvertreterin
der IGS Melle, Julia Leonard,
klärt auf Anfrage über das
Vergabeprinzip
an
ihrer
Schule auf. Und nimmt vor-
weg: Wir bedauern solche
Fälle. Es ist immer traurig,
wenn die Kinder enttäuscht
werden. Aber ein Tausch ist
nicht möglich.
Wie die IGS Melle ihre
Jahrgänge zusammenstellt:
Das liegt vor allem daran,
dass in jedem Jahrgang ein
Leistungsdurchschnitt
aufrechterhalten werden soll.
Es gehört zum Konzept der
Schule, einen Querschnitt
durch die Leistungen abzubilden, erklärt Leonard. In diesem Jahr habe es zum einen
mit mehr als 200 eine große
Anzahl an Anmeldungen gegeben. Zum anderen habe es
einen Überschuss im Bereich
guter oder solider Noten gegeben. Da die IGS nur 150
Schüler aufnimmt, musste
unter Berücksichtigung des
Leistungsbereichs ausgelost
werden.
Auf der Warteliste stehen
im Moment etwas mehr als 20
Kinder, berichtet Leonard
weiter. Bis Ende kommender
Woche werden die Klassen
bekannt gegeben. Danach
kommt manchmal noch etwas Bewegung in die Warteliste. Denn die fünf Klassen
in Jahrgang fünf haben je-
Der Wechsel auf die weiterführende Schule ist für Kinder ein
besonderes Ereignis.
Symbolfoto: Robert Michael/dpa
weils ein eigenes Profil: Musik, Natur & Technik, Kunst,
Sport oder Europa. Wenn die
Kinder ihr gewünschtes Profil
nicht erhalten, entscheiden
sie sich manchmal doch für
eine andere Schule.
Aber auch in diesem Fall
wird unter den auf der Warteliste verbleibenden Kindern
im Bereich des frei gewordenen Leistungsbereichs ausgelost.
Ein
eigenständiger
Tausch unter Familien ist deshalb keine Option.
Ob man angesichts der großen Bewerberzahl an der IGS
nicht einen Container aufstellen könne, fragt der Vater aus
Melle. Doch das erlaube das
Konzept der IGS nicht, erklärt
Leonard. Bei der Schulgründung hat der Schulträger eine
maximale
Jahrgangsstärke
von 150 Schülern festgelegt.
Das hängt mit dem pädagogischen Konzept zusammen.
An der IGS sollen alle Jahrgänge ein eigenes Lernhaus
haben. Darin befindet sich
ein Mehrzweckraum in der
Mitte, von dem die fünf Klassen und das Lehrerzimmer
des jeweiligen Jahrgangs abzweigen. Die Jahrgänge sollen sich als Einheit verstehen
und wachsen. Zusätzliche
Container befänden sich
dann außerhalb dieses räumlichen Konstrukts. Zudem
gibt es ja alternative Schulen,
die die Schüler aufnehmen.
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