LOKALES
14. MAI 2023
AM SONNTAG
Die Vielfalt schwindet
Bienen-Experte im EL-Interview Wir warten auf Sonne
Von Reinhard Fanslau
Diese Ackerhummel hat mit der echten Goldnessel ein prima Pflänzchen, mit dem Mensch und Tier glücklich werden. Denn die
leicht süßlichen Blüten kann man wunderbar in den Salat stgreuen.
Felicitas-Ehrhardt-Fotos
Von Bienen und Blümchen
Hobby-Imker Ludwig Rosenboom gibt Tipps für Blühvielfalt im Garten
Von Felicitas Ehrhardt
Neubörger (EL) Wenn man
von Bienen spricht, denken
normalerweise alle an Honigbienen. Riesige Völker, mit
Honig gefüllte Waben und natürlich die Gefahr, gestochen
zu werden. Aber mit Wildbienen hat das nichts zu tun.
Ludwig Rosenboom spricht
aus Erfahrung: Der Hobby-Imker aus Neubörger hat sich
dem Schutz der heimischen
Insekten verschrieben.
Doch warum muss man
Wildbienen eigentlich schützen? Viele verwechseln Imkerei mit Insektenschutz. Aber
das sind eigentlich zwei verschiedene Sachen. Wer selbst
Bienen hält, kennt es. Nach der
Obstblüte muss man schon
überlegen, wo die Völker noch
Nahrung finden können. Ich
habe in der Nachbarschaft zufällig ein 8 000 Quadratmeter
großes Grundstück angeboten
bekommen und habe daraus
mit Hilfe von Sponsoren eine
Blühwiese gemacht. Schnell
habe ich bemerkt, dass dieses
Nahrungsangebot neben meinen Honigbienen auch von
den Wildbienen genutzt wurde. Und das war der Startschuss.
Ob Moore oder Wüsten:
Wildbienen sind in der Lage,
sehr unterschiedliche Gebiete
zu bevölkern. Allerdings sind
sie immer auf blühende Pflanzen angewiesen. Wenn das
Weibchen ein Nest angelegt
hat, dann nutzt es Pollenquellen im Umkreis von mehreren
hundert Metern. Dabei befruchten Wildbienen mehr
Blüten als Honigbienen. Gärten, die aus kurzem Rasen und
immergrünen Hecken bestehen, sind für Wildbienen
nicht attraktiv. Wer ihnen ein
Plätzchen anbieten will, muss
aber nicht auf den gepflegten
Garten verzichten.
Ein paar Anpassungen genügen. Zum einen sollte man die
Blühvielfalt im Garten erhöhen. Wildbienen benötigen
ebenso wie die Honigbienen
Pollen und Nektar, um ihren
Nachwuchs zu versorgen. Daher sind sie von April bis Oktober auf Blühpflanzen angewiesen. Das lässt sich relativ einfach durch Blühinseln im Ra-
Auch Steinhummeln gehören zu den Wildbienen.
Blühwiesen sind nicht nur eine Nahrungsquelle, sondern auch
Schmuck und Zierde für jeden Garten.
sen erreichen, also Bereiche,
die bewusst nicht gemäht werden. Wer sich damit anfreunden kann, sollte das erste Mähen auf den Frühsommer verschieben. So erreicht man eine
Aussaat der natürlich vorkommenden Blühpflanzen. Beschleunigen lässt sich der Prozess durch Aussaat von Blühmischungen.
Sortenreichtum ist Trumpf,
denn viele Wildbienen sind
auf bestimmte Blütenformen
angepasst. Eine Blühwiese benötigt weniger Nährstoffe als
ein Rasen, daher muss der
Schnitt nach dem Mähen ent-
fernt werden.
Aber auch Liebhaber eines
kurz geschorenen Rasens müssen nicht zwangsläufig ein
schlechtes Gewissen gegenüber den Bienen entwickeln.
Sie können beispielsweise ein
Beet aus mehrjährigen Stauden anlegen. Noch besser:
Obstbäume. So gibt es direkten Nutzen von den hungrigen
Insekten.
Neben Nahrung braucht die
glückliche Wildbiene aber
auch ein Plätzchen für ihr
Nest. Vor schwärmenden Insekten muss sich niemand
fürchten, denn Wildbienen
sind Einsiedler. Und da sie keine Honigvorräte anlegen, ist
der Stachel verkümmert, daher
ist die Angst vor Stichen unbegründet. Rosenboom: Im
Herbst das Laub unter Bäumen
und Büschen liegen zu lassen
ist eine gute Tat. Damit haben
Insekten ein Winterquartier,
und im Frühjahr finden Vögel
hier leichter Nahrung. Das zerfallende Laub wird wieder zu
Humus. Diesen natürlichen
Kreislauf muss man gar nicht
stören. Auch Stängel von zurückgeschnittener Brombeere,
Holunder oder Heckenrose
sind mehr als nur Gartenabfall.
Wenn man sie an einem sonnigen Ort lagert und die Schnittstelle frei zugänglich liegt,
dann werden die Äste schnell
zu neuen Nestern.
Sogar Steingärtenliebhaber
können ihre Gartenform insektenfreundlich gestalten. Der
Garten muss aber auf unversiegeltem Boden angelegt werden. Offene Stellen zwischen
den Steinen sind für Wildbienen ideale Nistplätze. Manche
Arten bauen sogar direkt an
den Steinen sogenannte Mörtelnester. Pflanzen, die Wärme
und Trockenheit lieben, wie
Thymian oder Mauerpfeffer,
sind ein reichhaltiges Nahrungsangebot. Auch Kletterpflanzen wie blühender Efeu,
Glyzinien oder Zaunwicken
sind für nektarliebende Insekten attraktiv.
Ich bin oft an Grundschulen oder in anderen Gemeinden, so Rosenboom. Meistens muss man gar nicht groß
organisieren. Es gibt überall
die Eh-da-Flächen, das sind
freie Stellen, die keinen bestimmten Zweck erfüllen. Hier
kann man ohne weiteres einjährige oder auch zweijährige
Saaten ausbringen. Ich suche
dann Sponsoren für die Samen
und zeige den Gemeinden
oder Schulen, wie man die
Blühmischungen
ausbringt
und was sonst zu beachten ist.
Es gibt auch viele Privatpersonen, die bei mir Samen abholen und Blühstreifen in ihren
Gärten anlegen. Wenn jeder
zehn Quadratmeter seines
Gartens insektenfreundlich gestaltet, müssten wir uns keine
Gedanken um den Arterhalt
machen.
Neubörger (EL) Ludwig Rosenboom vom Imkerverein
Hümmling liegt das Wohl von
Bienen und Insekten am Herzen. Im EL-Interview erzählt
der Hobby-Imker, was ihm in
diesem Zusammenhang zur
Zeit etwas Sorgen bereitet.
EL: Herr Rosenboom, wie
sieht es so allgemein aus bei
den emsländischen Imker zurzeit?
Rosenboom: Wir haben
nachgesehen, wie die Bienen
so über den Winter gekommen
sind und warten jetzt auf Sonne. Vor kurzem hatten wir
unsere turnusgemäße Generalversammlung. Wir hatten
einen Referenten da, der uns
etwas über die Apitherapie erzählt hat, weil das ein spannendes Thema ist.
Was ist das? Ich habe davon
noch nie gehört. Und was hat
das mit Bienen zu tun?
Der Referent Rolf Krebber
kommt aus Meppen und
wohnt jetzt in Schermbeck.
Schon zu seiner Meppener Zeit
hat er viele Tagungen und Veranstaltungen zum Thema Apitherapie gemacht. Dabei geht
es darum, dass die Bienen
außer Honig noch ein bisschen
mehr herstellen und welche
medizinische Wirkungen diese Stoffe haben. Pollen und
Propolis (Bienenharz oder Bienenkitt, der antivirale Wirkung
hat, d. Red.) zum Beispiel oder
auch Stockluft (Patienten atmen Luft direkt aus dem Bienenstock, ohne mit Bienen in
Berührung zu kommen, d.
Re.). Wer diese Luft inhaliert,
tut etwas Gutes für seine Bronchien. Apitherapie ist wegen
der antiviralen Wirkung gerade
in der Coronazeit so richtig bekannt geworden. Es ist natürliches
Antibiotikum.
Das
scheint nicht so schlecht zu
sein, sonst würden das nicht
immer mehr Leute haben wollen.
Zur Zeit gibt es einen Vegan-Boom. Bienenprodukte
sind aber nicht vegan. Was sagen Sie dazu, dass Veganer
Bienenprodukte ablehnen?
Wenn die das meinen, dann
müssen die das so machen. Es
gibt wohl einige Extreme, die
auch grundsätzlich etwas
gegen Bienenhaltung und allgemein gegen Haustierhaltung
haben. Für mich sind Bienen
aber keine Haustiere. Und alle
Welt redet zurzeit von Insektensterben und Bienensterben.
Daher meine ich, dass die Leute, diesich Bienenkästen in den
Garten stellen, etwas Gutes
tun.
Gibt es eigentlich noch viele Imker im Emsland?
Ja, die Imkerei ist hier in der
Region sehr beliebt. Wir verzeichnen ein großen Zulauf an
Interessenten, aber leider hören auch einige wieder auf
nach einer Zeit. Manche Leute
haben Schwierigkeiten, sich
dem Rhythmus der Natur anzupassen. Die Bienen richten
sich nicht nach deren Terminkalender. Oder andere sagen:
Komm lass uns am Wochenende mal an die Nordsee fahren. Und schon bleiben die
Ludwig Rosenboom zeigt ein bienen- und insektenfreundliches
Projekt: eine frisch angelegte Blühhecke an der Grundschule in
Börger. Im Sommer wird hier eine bunte Wiese sein.
Totholz ist nicht so leblos, wie es der Name vermuten lässt. Es
wird schnell zur Heimat vieler Insekten.
Streuobstwiesen sind ideal für Bienen und Insekten, denn sie
bieten Nahrungs- und Nistplätze gleichermaßen.
Eine Wildbiene sucht Unterschlupf, sie ist deutlich behaarter
als die Hoigbiene.
Bienen auf der Strecke. Wer
Bienen hat, muss auch ab und
zu nach ihnen schauen. Ein
Bienenkorb ist ein komplexes
System. Wer seine Bienen vernachlässigt, erlebt irgendwann
eine böse Überraschung.
Sie kümmern sich außer um
die Honigbiene auch um andere kleine Tiere, hat mir jemand
gesagt.
Ja, auch Insekten und Wild-
bienen sind sehr wichtig. Daher engagiere ich mich auch
dafür, weil auch sie vom Klimawandel bedroht sind und
deswegen gehe ich auch an
Schulen und halte Vorträge darüber, um die Schüler über diese Zusammenhänge aufzuklären. Die Natur verändert sich,
die großeVielfalt ist nicht mehr
da. Und dagegen müssen wir
etwas tun.
Gesundheit im Gespräch
Migräne und andere Kopfschmerzen
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Mittwoch, 17. Mai 2023, 18 Uhr live im NOZ Medienzentrum
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Therapieformen Sie in Anspruch nehmen können, zeigen Ihnen die Referenten auf.
In einer interaktiven Austauschrunde mit ffn-Redakteur
Moritz Zachow gehen die Experten gerne auch auf Ihre
Fragen ein. Senden Sie Ihre Fragen einfach vorab an
gesundheit-im-gespraech@noz.de
* Es gelten die zu dem Zeitpunkt der Veranstaltung
gültigen Coronaverordnungen.
Dr. med. Markus Sofianos
Dr. med. Stefan Lauer-Riffard
Verfolgen Sie die Vorträge mit anschließender Fragerunde kostenlos im NOZ Medienzentrum oder per Livestream unter www.noz.de/kopfschmerzen. Tickets für die Veranstaltung vor Ort* sind kostenlos in den Geschäftsstellen der NOZ sowie online über noz.de/
gesundheit erhältlich. Selbstverständlich ist der Einlass vor Ort auch ohne Ticket möglich.
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